Durch den Suezkanal…

Nachdem ich endlich das Port Permit,

die Erlaubnis zum Ablegen erhalten habe, geht es mit dem ersten Licht am 5. September, morgens um 05:00 Uhr los…

Alles ist bereits vorbereitet.

Stolz wie Bolle sitzt unser Pilot am Ruder. Ich habe aber ein waches Auge auf ihn. In Suez lag hinter uns die Motoryacht RAMA, die auf zwei neue Propeller wartete, nachdem der Pilot sie im Kanal auf Grund gesetzt hatte..

Dicke Pötte begleiten uns…

Am frühen Nachmittag erreichen wir nach 45 Seemeilen Ismailia, den ersten Zwischenstopp.

Wir machen vor dem Gebäude des Yachtclubs längsseits fest.

Abends feiern hier zwei Hochzeitsgesellschaften, und die Thalassa wird als willkommene Kulisse für die Erinnerungsfotos genutzt.

Gleich früh um 05:00 am nächsten Morgen geht es weiter…

Nach endlosen 33 Meilen Motorfahrt ist Port Said am Mittelmeer erreicht!

Wir verlassen den Kontinent Afrika und brechen auf ins Mittelmeer Richtung Europa !

Doch zunächst geht es noch nach Asien… In die Türkei.

Hinter uns liegt jetzt Port Said.

Vor uns – mitten im Tonnenstrich – machen uns trawlende Fischer das Leben schwer… Wo ist bloß das Ende ihres Schleppnetzes…!??

Vier relativ windarme Tage – und Nächte – liegen vor uns…

Am Morgen des 10. September kommt die türkische Küste in Sicht.

Gut 25 Meilen später ist mit Alanya unser Ziel greifbar!

Wir schlüpfen durch die Hafeneinfahrt und sind nach knapp 400 Seemeilen seit Suez wieder fest.

Mit unserem Agenten geht es in die 5km entfernte Stadt, wo bei den Behörden die Formalitäten erledigt werden… Aus dem Büro schieße ich ein Foto vom Alanya-Stadthafen.

Blick vom Deck der Thalassa auf unseren Liegeplatz für die nächste Zeit in der Marina Alanya.

Wir liegen hier eigentlich doch recht schön…!

Gunnar nimmt Kurs… Andere auch…

Ganz schön was los auf der letzten Strecke kurz vor der Küste der türkischen Riviera…
Ich hoffe der rote Grosse – links von Gunnar – steht ausgeschlafen am Steuerrad und hat ihn auf dem Radar….
Wenn alles gut geht wird Gunnar heute in Alanya ankommen….

https://www.marinetraffic.com/en/ais/home/centerx:33.8/centery:36.3/zoom:8gg.jpg

Die wichtigen Dinge…

Während ich hier bräsig an Bord sitze, den dicken Pötten bei der Passage zusehen kann, …

… wir die Wartezeit bis zu unserer eigenen Passage mit gelegentlichen WhatsApp- Telefonaten verkürzen …

… kümmert Susann sich in der Heimat um die WIRKLICH wichtigen Dinge :

Zum Beispiel um dieses Bild, das sie für Lottas Klassen – Buch gemalt hat…

Ich finde, es ist einfach ZAUBERHAFT geworden!!!

Gottseidank kann Lotta unseren Blog noch nicht allein aufrufen!

Es soll ja eine Überraschung für Sie werden…

In Suez…

Angekommen.

Die letzten paar Meter vor dem Abzweiger zur Marina des „Suez Yacht and Row Club“

Dort vorn links hinter der Moschee muss ich rein.

Endlich, am Ende dieses unsäglichen Golf von Suez fest in der Marina.

Ich hab‘ mich aber auch angestrengt…!

Schon 2015, beim letzten Mal hier, sah der Club etwas…..

vernachlässigt aus.

Jetzt muss man wohl sagen: Der Lack ist ab.

Na was solls.

Ich liege sicher längsseits dieser betagten Motoryacht.

Schaut. Es geht auch schöner.

Mein Agent, diesmal Capt. Heebi von Princeoftheredsea, war schon da.

Als er sah, dass ich in den nächsten Tagen Geburtstag habe, brachte er mir doch tatsächlich schonmal vorab eine Torte an Bord!

Na die wird mir bei meinem Diätprogramm der vergangenen Tage sicher ordentlich auf den Magen schlagen! 🙂

Aber ich freue mich natürlich!

Die Vermesser sind auch schon an Bord gewesen und haben ordentlich hin- und hergemessen. Die Tonnage, die von der ersten Passage 2000 noch in den Büchern der Kanalverwaltung steht, schien mir mit 49 tns. doch etwas hoch.

Die Triton war 2015 mit 24 tns. berechnet worden.

Na hoffentlich schieß ich mir mit der Neuvermesung der Thalassa nun nicht selbst ins Bein. Morgen vormittag gegen 11:00 sollte ich mehr wissen. Da bekomme ich die Tonnage, nach der die Rate für die Kanal Passage dann berechnet wird, mitgeteilt…

Nachtfahrt nach Suez

Morgens, 03:23 Uhr…

Der Vollmond macht die Nacht zum Tag.

Spiegelglatt liegt das letzte Stück des Golf von Suez vor uns.

Mit kleinster Fahrt bewegen wir uns durch die Nacht, um dieses seltene Wetterfenster auszunutzen, aber auch nicht vor Tagesanbruch anzukommen.

Wichtig ist nur, vor 13:00 an Marina zu sein, die bereits im Anfangsbereich des Kanals liegt. da die Konvois der Groß-Schiffahrt um 14:00 starten, ist eine Einfahrt in den Kanal ab dann nicht mehr erlaubt.

Die Lichter von Suez voraus.

„Kreuzfahrt ins Glück“ – Abu Mieish

Von Ras Gharib aus geht es weiter nach Norden.

Dieser hässliche, rotgelbe Fleck dort auf meinem Weg sind leider tatsächliche Windstärken bis zu 8 Bft.

Liegt mitten im Weg. Da müssen wir durch. Watt mutt, dat mutt…

Der Wetterbericht verspricht nur noch mehr zunehmende Winde in diesem Bereich.

Am späten Nachmittag entscheide ich, ankerauf zu gehen.

Ohne Steuerbordmaschine, aber mit 3 Reffs im Großsegel und zweien in der Genua geht’s los!

Naja.

Irgendwie kämpfen wir uns durch die Nacht und sind nach 108 Seemeilen erschöpft und müde morgens um 10:00 am nächsten Ankerplatz.

Diesmal auf der Sinai-Halbinsel!

Der Ort heißt : Ras Matarma und Damaran Abu Mieish.

Wieder wolkenlos, wieder 30 Grad warmes Wasser.

Aber ich muss nun wirklich erst einmal ins Bett…

An Land darf ich eh nicht mehr, da in meinem Pass bereits der Ausreisestempel ist, und ich offiziell aus Ägypten ausgecheckt bin.

Ras Gharib – Golf von Suez

Vorgestern – Samstagmittag, 29.8. – habe ich in Endeavour Harbour den Anker gelichtet. Ziel war ja eigentlich At Tur auf der Sinai-Halbinsel. Ca. 45 Seemeilen.

Unterwegs entschloss ich mich gegen 17:00, weiter in Richtung Abu Thelemet zu fahren. Ca. 90 Seemeilen weiter. Ich würde dort etwa am nächsten Abend ankommen.

Es kam jedoch anders.

Nachts nahm der Wind dann unerwartet auf Sturmstärke zu. Immer genau von vorn natürlich.

Bislang lief ich mit beiden Motoren etwa 3,5 bis 3,8 Knoten.

Plötzlich zeigte die Logge nur noch 1,9 bis 2,4 Knoten an!

Mir fiel auf, dass wir an der Steuerbordseite kein Schraubenwasser mehr hatten.

Da war irgendwas passiert!

Evtl. hatten wir (nur) den Propeller verloren?! Das wäre – in meinen Augen – noch das angenehmste. Da hätte ich Ersatz an Bord und könnte ihn vor Anker erneuern.

Bei genauerer Überlegung musste ich das allerdings leider ausschließen. Blieb noch ein Bruch des Propellerschafts. Oder ein defekter Saildrive.

Bei diesen Bedingungen aber erstmal unmöglich zu überprüfen.

Ich setzte die Genua und begann, gegenan zu kreuzen.

Gegen 05:00 Uhr morgens war ich erstens todmüde, und zweitens 8 Seemeilen östlich eines Ankerplatzes.

Ich entschloss mich, diesen anzulaufen. Ich musste mich unbedingt hinlegen… Es wehte immer noch mit 20m/sec., ca 40 Knoten.

Gegen 07:00 ließ ich dann halbwegs geschützt, vor Ras Gharib den Anker fallen…

Eigentlich recht schön hier und ein bei den Einheimischen beliebter Strand für die ganze Familie…

Es ist Sonntag, und ordentlich was los…

Tja. Bleibt die Sache mit dem Motor.

Der Rest ist nur noch für Techniker…!

Susann sagt :

ZUVIEL TECHNIK! 🙂 laaaangweilig. Gääähn…….

Volvo Penta Teil-Nr. 872809 (Schwingungsdämpfer)… :

Bereits morgens um 7:00 war ich im Wasser – der Propeller war erwartungsgemäß noch da – Ich zerlegte den halben Saildrive und prüfte alles auf Funktion.

Das war es nicht.

Der Saildrive wurde einfach nicht mehr vom Motor angetrieben.

Das ist mein Motor:

(im Vordergrund das Hellgraue ist der Saildrive)

So sieht der Verbindungszapfen zwischen beiden aus:

Entweder ist der defekt, oder das Gegenstück im Motor.

Das ist hier Teil 33 :

Das ist die sogenannte Dämpfungsplatte.

Eigentlich nur eine, aus zwei, mit kräftigem Gummi zusammengehalten Teilen bestehende Scheibe, welche die Kräfte beim Einlegen des Gangs abfedern soll.

Normalerweise sieht die so aus… :

Dort greift der Zapfen des Saildrives rein und das ganze dreht sich…

Meine Dämpfungsplatte sieht wahrscheinlich so aus :

Die Ringe haben sich voneinander gelöst und das eine Teil dreht sich auf der Kurbelwelle, nimmt den Saildrive aber nicht mehr mit.

Dafür spricht, daß der Motor beim Lauf leicht nach verbranntem Gummi riecht und dort auch etwas qualmt.

Leider teuer. Sehr…

(Volvo Penta Teil Nr. 872809 Was daran nun so viele Hunderte Euro kostet, bleibt mir ein Rätsel…)

Ausserdem mitten im Motor.

D.h.: Saildrive lösen, den Motor 20cm nach vorn ziehen (230 kg!) und dann das (hoffentlich) defekte Teil ausbauen und erneuern.

Der spassigste Teil kommt danach jedoch noch. Der Motor muss irgendwie wieder zurückgeschoben werden, wobei der Zapfen dabei genau das Loch treffen muss…

Na viel Spaß!!

Auch ein Grund, warum ich das momentan nur theoretisch weiß. Eine echte Überprüfung ist einfach zu aufwendig. Dann lieber auf Verdacht loslegen… Aber mit vorhandenem Ersatzteil!

Das Teil habe ich jedenfalls schonmal nach Hamburg bestellt.

Vor der Ankunft in der Türkei habe ich allerdings keinerlei Gelegenheit, die Reparatur durchführen zu können.

Na mal sehen, wie ich dorthin komme.

Besonders der Suez Kanal macht mir große Sorgen…

Mal abgesehen vom Manövrieren und Anlegen mit einem asynchron laufendem Motor in der Suez-Marina, Ismailia und Port Said…

Endeavour Harbour

Nachdem ich ja gestern so glücklich die Maschine repariert hatte, gönnte ich mir eine eiskalte Cola und wollte mich eigentlich ein wenig ausruhen…

Als jedoch der Wind zum Nachmittag hin immer weiter abnahm und dann mit nur noch guten 3 Windstärken aus Nordwesten wehte, entschloss ich mich, noch aufzubrechen.

Um 15:30 Uhr holte ich die Ankerkette ein und verließ die Bay of Makhadiq Richtung Nord.

Bis nördlich von Hurghada war es eine gemütliche Fahrt unter Maschine. Ab da nahm der Wind leider wieder etwas zu. Dennoch war es immer noch wesentlich besser, als die (kurze) Bolzerei am Morgen.

Gegen 23:00 schlich ich mich im dunkeln gaaanz langsam vorsichtig in die etwas trickreiche Ankerbucht von Endeavour.

Nun liegen wir hier sicher vor Anker. Die Anemos ebenso. Sie war ja gestern morgen schon weitergeknüppelt, als ich das Malheur mit der Maschine hatte.

Auf dieser bislang verlassenen, einsamen Insel sind momentan irgendwelche Bauarbeiten im Gange… Es sieht so aus, als soll die Insel auch für den Tourismus erschlossen werden.

Für heute ist der Plan, falls der Wind nachlässt, über die Anchorage „Bluff Point“ (als Plan „B“) in Richtung At Tor auf der Sinai-Halbinsel weiterzugehen… Das sind ca. 45 Seemeilen.

Mal schauen.

… irgendwas ist ja immer.

Heute morgen wollten wir eigentlich aufbrechen Richtung El Gouna.

Es wehte zwar noch recht heftig, aber um 9:00 Uhr wurde der Anker gelichtet.

Um 9:30 schwankte die Drehzahl an der Backbordmaschine und sie starb fast ab.

Ich krabbelte in den Maschinenraum, entlüftete die Dieselleitung und beim Festziehen der Entlüftungsschraube tat sich ein breiter Riss im Gewindegang auf. Die Halterung war an der Stelle gebrochen. Ein dicker Strahl Diesel spritzte nun aus diesem Riss.

Ich ging wieder nach oben und schaltete die Maschine ab. Da ich erst knapp zwei Meilen vom Ankerplatz entfernt war, entschied ich mich, umzukehren und mir dort Gedanken über das Problem zu machen…

Nachdem die Diesel Zufuhr abgesperrt war, baute ich das defekte Teil aus. Ein Ersatzteil ist nicht an Bord! – Und ganz sicher hier auch nicht auf die Schnelle zu bekommen…

Man sieht deutlich den Riss.

Ich entscheide mich, Das Gewinde um den gebrochenen Teil zu kürzen.

Danach muss ich zur Abdichtung eine plane Oberfläche feilen.

Bis jetzt scheint mein Plan ja aufzugehen…

Völlig geschlossene Oberfläche.

Die Entlüftungsschraube vorsichtig wieder eindrehen

Von der Länge her geht es so gerade…

Fertig!

Was sich so fluffig anhört, hat mir echt Sorgen gemacht. Echt!! Dieser kleine Riss im Gewinde bedeutete eigentlich einen Totalausfall der Backbordmaschine für die nächsten 2000km…

Puh. Glück gehabt…

Jetzt ist es 14:00 Uhr.

Langsam lässt der Wind auch hier am Ankerplatz nach. Doch evtl. bleibe ich noch bis morgen.

So ist das mit den Plänen beim Segeln. 🙂

Marsa Abu Makhadiq

Um 12:00 meinten Hugh und Priscilla von der „Anemos“, der Wind ließe nach und wir sollten aufbrechen, 16 Seemeilen weiter in die Marsa Makhadiq. Von nachlassendem Wind hatte ich allerdings nix bemerkt, und so bolzten wir bei satten 6 Bft von vorn nach Norden. 4 Stunden später war das nächste Ziel dann erreicht, und wir lagen wieder vor Anker. Nun hatte der Wind auch tatsächlich endlich nachgelassen! Tja… Geduld…!!

Da die See mittlerweile wirklich ruhig war, kletterte ich auf unseren Mast, um das defekte Dampferlicht zu reparieren.Priscilla schoss davon einen schönen Schnappschuss :

Ein seltenes Bild vom eigenen Boot – mit Mann im Mast…Unser Track von heute :