Robinson Noonu …wir kommen (bald)!

Gunnar kämpft sich durch! Gegenstrom, Fischerboote ohne AIS, Flaute oder zu viel Wind -Parasailor rauf, Parasailor runter-  4-7 Meter hohe Wellen von der Seite, Tölpel die das Boot mit Ausscheidungen beglücken…
…aber auch traumhafte Sonnenaufgänge und auch wieder runter (-:
keine Erkältung, Sashimi von selbst geangelten Thuna`s, Golddoraden und was da sonst noch so schwimmt (ok. die bis zu 2 Metern langen Seeschlangen kommen natürlich nicht auf den Tisch auch die vielen Riesenschildkröten werden nur bestaunt)
… BALD…GANZ BALD…sitzen wir zusammen mit einem Cocktail im schönen Robinson Noonu…Kaum zu glauben… Wir freuen uns schon sehr!!!

Nach den ersten rauhen Tagen, die von einer zweitägigen Flaute gefolgt wurden, war die Reise in den letzten zwei Wochen recht angenehm bei nur mäßig bewegter See mit drei bis vier Windstärken.

Meist nahm der Wind dann allerdings zum Abend doch so zu, dass der tagsüber gesetzte Parasailor zur Nacht geborgen werden musste, und wir die Nacht nur unter der Genua segelten.

Das Seegebiet hier ist dabei von teilweise sehr starken Strömungen geprägt.

Zum Teil mussten wir daher in den letzten Tagen einen bis zu 50 Grad (!) vom Kartenkurs abweichenden Kompasskurs anhalten, um über Grund in Richtung unseres Zieles vorwärts zu kommen. Ohne GPS-Unterstützung wäre die Navigation hier sehr sehr anspruchsvoll… Auch so reicht es noch.

Viele Fischerboote auf unserem Kurs, sämtlich ohne AIS, machten dabei nachts ausserdem eine ständige Wachbereitschaft erforderlich.

Gestern war die erste Nacht seit einer Woche, die ohne jede Schiffs-Sichtung verging.

Noch vor ein paar Tagen wurde ich von einem Katamaran der australischen Küstenwache auf hoher See nahe bei passiert und über Funk gefragt, ob ich auf Christmas Island einen Landfall plane. Das verneinte ich. Die Überwachung der australischen Seegebiete ist hier wirklich lückenlos.

Momentan liegt nun Christmas Island und die Flying Fish Cove etwa 110 Seemeilen voraus. Wir werden die Insel in ca. 30 Meilen Abstand südlich passieren. Auf dem Weg von dort geht es dann 285 Grad, West-Nordwest weiter in Richtung Ulligam…

Bislang haben wir seit Vanuatu 3742,5 Seemeilen im Kielwasser.
5.9.2019, 09:32 Uhr.

Mal sehen, was noch kommt.

Meeresleuchten

Unterwegs kamen in den letzten 14 Tagen viele und häufig Delphine und auch mehrere sehr große, allerdings scheue Meeres-Schildkröten recht nah ans Boot. Immer eine schöne Abwechslung!

Auch ungebetenere Besucher, wie einige Male bis zu 2m lange, geringelt fette Seeschlangen, schwammen vorbei..

Etwas, das ich bislang noch überhaupt nicht erlebt hatte, ereignete sich allerdings vor drei Nächten…

Meeresleuchten!

Allgemein ist das zeitweilig auftretende, durch fluoreszierende kleinste Algen bei Berührung verursachte Aufleuchten von Gischt und Wasser in der Nacht ja bekannt. Das kann man selbst in Nord- und Ostsee bisweilen beobachten…

Je nach Intensität ein unheimlich beeindruckendes Schauspiel, wenn man nachts einen leuchtenden Schweif Fahrwasser hinter sich herzieht, oder Fische im Wasser wie Sternschnuppen aufleuchten…

So war es auch hier, südlich von Sumba, vor einigen Tagen. Abendliche schöne Spektakel…

Als ich in der mondlosen Nacht vom zweiten auf den dritten September allerdings gegen 23:00 Uhr nach draußen ging, da sah es komplett anders aus…

Das ruhige Meer leuchtete helltürkis gegen den dagegen schwarz wirkenden Himmel, an dem klar die Sterne und Milchstraße standen!

Es leuchtete tatsächlich von Horizont zu Horizont um mich herum hell wie eine Milchglasleuchte in fluoreszierendem Türkis, als hätte man unter Wasser eine Poolbeleuchtung eingeschaltet. Ohne Flimmern und Flackern.

Das Meer erhellte die Nacht wie eine riesige Lampe.

Ich fühlte mich total irreal… Man kann sich das Gefühl gar nicht vorstellen. Man steht an der Reling und das Gesicht wird vom Meer beleuchtet…

Dieses unvorstellbare Leuchten hielt die ganze Nacht an.

In der nächsten Nacht war es dann verschwunden.

Was das nun gewesen ist, davon habe ich absolut keine Ahnung.

Kleiner „Klugschnack“ von Deiner Frau:
Biolumineszenz von Lebewesen

Zunächst muss das Salzwasser tief, reich an Nährstoffen und geschützt sein. Und dann muss es eine hohe Konzentration von einem winzigen Einzeller geben, der Meeresleuchttierchen genannt wird und für die Beleuchtung sorgt. Chemische Prozesse führen dazu, dass die Organismen ruckartig Licht aussenden, welches das umliegende Wasser illuminiert.

Gunnar weiss natürlich wie Meeresleuchten entsteht.
Er schreibt gerade per Iridium-SMS:
Das sind ALLES KLUGSCHEISSER, DAS war ein WUNDER!
Meeresleuchten.jpg

Wie auch immer es entstanden ist, zwar 2 Tage zu früh – aber es war ein grosses, schönes Geschenk vom lieben Gott!
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, geliebter Papa, geliebter Ehemann!

 

 

Seit 30 Tagen auf See…

Heute morgen, als ich unsere Position und Etmal in das Logbuch eintrage, schreibe ich eine ‚144.0‘, darunter eine ’30‘ und mache einen Kreis darum…

Nun sind wir seit dem Ankeraufgehen in Port Vila, Vanuatu, dreißig Tage unterwegs. Orte mit exotischen Namen haben wir dabei in den letzten Tagen gesehen, beziehungsweise passiert.

Nach der Torres Straße und Überqueren der Arafura-See folgten Timor, Sumba und die Sumba Straße, Tombok, Bali und Djakarta, Bandung…

….. Als ich nun hier gerade unterhalb der Sumba Straße segele, höre ich im Cockpit Hermann Melvilles ‚MOBY DICK‘ als Hörbuch. Darin lief Kapitän Ahabs Schiff just in dem Moment auf der Suche nach dem weißen Wal an Bali vorbei Richtung Nordost in die Sumba Strait ein…….! Was für ein Zufall.

Wellenlinien….

1,8… 2,0…2,3….2,6…2,4….2,2…2,1…..

Die Logge wandert im Rhythmus unserer Geschwindigkeit.

Der Parasailor steigt am Bug träge und langsam auf, sinkt wieder herab, macht flappend einen müden Versuch, sich zu entfalten, lässt dann aber doch im sanften Schwell, mut- und windlos die zu schweren Schultern herabsinken…

Flaute.

Gestern abend, 19:00 Uhr, wurde der Wind ausgeknipst.

Die Nacht durch motorten wir daher notgedrungen, nördlich von Melville Island, mit geborgenen Segeln, langsam, sehr langsam, nach Westen. Viele Fischerboote, die hier in der Nacht ihrer Arbeit nachgingen, passierten wir dabei recht nahe.

Leider hatten die meisten der Fischer kein AIS, so dass wir sie nur optisch ausmachen konnten, und daher an Schlafen nicht zu denken war.

Heute morgen um 05:30 Uhr kam dann eine leichte Brise auf, die wir mit dem wieder neu gesetzten Parasailor, unserem genialen Vorwindsegel, aufzufangen versuchten.

Ein paar Stunden angenehmes Segeln.

Seit 10:00 Uhr aber lässt nun mit der aufkommenden Thermik in der gleissenden Sonne der Wind immer weiter nach.

Momentan zeigt der Windgeschwindigkeitsanzeiger 2,4 m/sec an. Das ist leider knapp genug, unser Vorsegel überhaupt zu füllen…

Noch halten wir durch.
Solang wir uns nur ein kleinwenig vorwärts bewegen.
Das wird aber wohl ein frustrierendes Etmal geben…

Eine riesige Schildkröte schwimmt ganz nah vorbei und reckt neugierig den Hals aus dem Wasser. Den Delphinen, die uns in den letzten zwei Tagen besuchten, sind wir heute aber offensichtlich zu langsam und langweilig…

Hoffentlich gibt es heute irgendwann noch ein bisschen Wind…! Die Vorhersage spricht leider dagegen.

Flauten sind anstrengend.
Sehr.

Ruhigere Zeiten…

... Zwei Tage nach dem Start in Vanuatu.
Das Meer war noch sanft... 

Ruhigere Zeiten…

... Zwei Tage nach dem Start in Vanuatu.
Das Meer war noch sanft... 

Wind…

Langsam wurde es rauher... 

… giftige Gischtlefzen lecken wütend an der Backbordbordwand, klatschen machtvoll dagegen, steigen, in tausende Regenbogen zerstiebend auf, höher und höher, bis sie sich, über das in seinem Rot schlafende Groß-Segel hinweg fliegend, steuerbord wieder mit ihrem massigen Körper, der aufgewühlten See, verbinden – nur um aufs Neu und unermüdlich wieder und wieder weitere Angriffe vorzubereiten….

Ja.
Es weht. Mal wieder.

Nur mit der zweifach gerefften Genua jagen wir über den aufgewühlten Gulf Of Carpentaria, der Arafura See zu.

Seen von durchschnittlich 5m Höhe, die seitlich auf uns zurollen, lassen Thalassa sich unglaublich elegant erheben und unbeeindruckt ins Wellental zurücksacken…

Vor zwei Tagen haben wir das Cape of York und die Torres-Straße, ganz im Norden von Australien, bei starkem Wind passiert.

Die tückischen Sände der Endeavor Street liegen nun ebenfalls hinter uns.

Vor uns liegen nun noch gut 4800 Seemeilen bis Ulligam.

Es war bis zum Eingang des Grat Barrier Riffs bei Raine Island eine schnelle, doch unbequeme Reise.
Die Coral Sea, die wir durchsegelten, wurde durch einen 9 Tage durchgehend mit 7 bis 9 Windstärken ungebremst über 1500 Seemeilen Wasser wehenden Wind heftigst aufgewühlt…

Nun, das liegt hinter uns.

Dass es hier gestern und heute wieder so wehen sollte, wusste ich aus der Vorhersage.
Umso mehr genoss ich vorher die relativ ruhigen 24 Stunden der Passage durchs Barrier Riff.

Heute morgen sind wir nun 15 Tage seit Vanuatu unterwegs.

Wenn alles gutgeht, müssten wir in etwa 40 Tagen den Anker fallen lassen.

Aber Segler sollen ja nie zu weit voraus planen…

Mal sehen.

Tschüss Südsee

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dav

…leider mit Erkältung und bei schlechtem Wetter hat Gunnar die Segel gesetzt und startet den längsten Schlag der ganzen Reise – von Vanuatu nach Cocos Keeling – Australien.
4.200 Seemeilen – knapp 7800 Kilometer!
Ganz allein – ohne Zwischenstopp – ja – wo auch?!
Und gestern sagte er noch am Telefon, dass es wegen des Zeitmangels sein kann, keinen Stopp in Cocos Keeling einlegen zu können.
Wir treffen uns am 03. Oktober vor dem Robinson Club Noonu auf den Malediven und wie ich Gunnar kenne, wird er pünktlich sein.
Gut, dass er das jetzt nicht mehr lesen kann (-:

Gute Reise geliebter Papa!