Der siebte Tag…

… und es waren jetzt, um 17:30 Uhr (da beginnt ja meine Tag-Zahlung immer…) nur noch 133 Seemeilen bis zum -gefuerchteten- Minerva Reef.

Gefürchtet daher, weil es selbst heute, im Zeitalter von GPS, noch hin und wieder Yachten frisst, deren Skipper einschlafen, sich vernavigieren, oder sich zu blind auf elektronische Seekarten verlassen. Auf Youtube finden sich traurige Beispiele…

Nungut, da wollen wir uns nicht zugesellen!
Allerdings hatte ich jetzt schon 24 Stunden – nicht ganz einfache – Wache auf dem Buckel. Ohne Essen und Schlaf.

Also rechnete ich…
Wir muessen unbedingt bei gutem Tageslicht am Riff bzw. Pass ankommen. 133 Meilen bis dort, und jetzt, um halb 6 abends wird es schon dunkel.

Vielleicht klappt es ja. Mit 6 Knoten im Schnitt kann ich 2 Stunden Tageslicht heraussegeln.

Ich wollte mich ein wenig hinlegen und versuchen, ein bisschen Schlaf zu bekommen. Ich darf auf keinen Fall das Riff verschlafen. S. O.! Drinnen sah ich dann die Katastrophe!! :

Keines meiner GPS-Systeme konnte unsere Position ermitteln! Dazu muss ich sagen, dass ich drei voneinander unabhaengige Systeme habe, das eine jeweils als Backup des anderen.

Schweisstreibend und nun langsam mit wachsender Seekrankheit (Schlafmangel, kein Essen) kaempfend, versuchte ich Loesungsszenarien zu entwickeln. Immerhin rasten wir nun schon seit 5 Stunden (!!) ohne exakte Positionsdaten mit 10 Knoten durch die stürmische Nacht. Bullenreiten Stufe 4!

Ich war schon so weit, beizudrehen, und treibend abzuwarten, dass sich das Problem loest bzw ich es in den Griff bekomme.
Theoretisch (!) kann ich zwar unsere Position auch mit Sextant und Tafeln errechnen, aber ohne Übung?? Haha. Das Ergebnis waere keinesfalls ausreichend, ein riffgespicktes Gebiet zu besegeln.

Ich fand fuer den nun schon ueber Stunden andauernden Komplettausfalls des GPS einfach keine Erklaerung. Befand sich die Welt im Krieg und mir hat niemand bescheidgeben? Hat Donald Trump Streit mit dem Koenig von Tonga?? Ganz reale Gedankengaenge… Mir war schlecht!

Ploetzlich , ob ich nun etwas kluges gemacht hatte, oder ob die Satelliten sich besonnen hatten, das bleibt im Dunkel.

Wir hatten auf allen Systemen wieder Daten. Gottseidank. Nur mir war immer noch grottenschlecht, und das wenige, was ich noch im Magen hatte, bekamen jetzt die Fische.

Mit 14 bis 15 Uhr Ankunftszeit hatte ich gerechnet.
Um 4:30 nahm ich die Genua weg, um langsamer zu werden.

Um 8:00 Uhr fuhr ich durch den Pass. Vollgas beide Maschinen 2,4Knoten. Es stand eine enorme auslaufende Stroemung gegenan.

Um 8:45 fiel der Anker auf 13m Wassertiefe mit 100m Kette.
Es wehte immer noch mit 9-10 Beaufort.

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 Knoten waren wir durch die Nacht gesegelt und heil angekommen. Seit Neuseeland liegen nun 803 Seemeilen hinter uns. Gute sechseinhalb Tage.

Der Anker haelt.
Schlafen, Essen. Das abgekaempfte Schiff wird erst morgen aufgeraeumt. Soviel Zeit muss sein.

Es kachelt draussen immer noch mit um die 10. Ich habe vorhin einen neuen Wetterbericht abgerufen.

Dieser Wind bleibt noch fast eine Woche. Was soll’s!

Ich liege hier gut.
An das Pfeifen im Rigg gewoehn‘ ich mich schon.

Ein bisschen Sonne waere schon noch schoen. Zum Schnorcheln, fuer schoene Fotos und so…

Noch ist es grau. Aber 25 Grad.

%d Bloggern gefällt das: