Am Riff…

Heute ist Mittwoch, der 29. Mai – 07:30 Uhr

Es ist windstill und draussen ist alles feucht an Deck. Das heisst, es wird wohl ein heisser, windstiller Tag werden.

Vorhin, um 07:15 ist „Lady Nada“, ein Catamaran aus Neuseeland, ankerauf gegangen.
Ich habe sie beobachtet, wie sie durch den Pass motorten und draussen im noch immer 2,0m hohen Schwell unter Motor auf- und abnickten, waehrend sie sich in Richtung Tonga fuhren. Von meinem Platz aus verschwand „Lady Nada“ immer wieder komplett bis an den Mastfuss in den Wellentaelern. Sicher kein Spass an Bord…obwohl sie spaeter ueber Funk melden, dass lediglich ca 0,5 bis 1,0m Schwell seien, sie aber motorten. Vielleicht war es ja der nur in Naehe des Riffs so viel…

Das Ankerfeld duennt sich langsam aus.

Gestern vormittag gab es eine SMS von „Envy“, die bereits vorgestern Richtung Tonga aufgebrochen ist: Sie lag -beigedreht und treibend- in 40 Knoten Wind und 4 m Schwell.
Heute Morgen dann ein Update: Sie segelt mittlerweile wieder, nach nun schon zwei Tagen unterwegs, auf halbem Weg (!!) von hier nach Tongatapu, was insgesamt „nur“ 270 Seemeilen entfernt ist. Es scheint also immer noch beschwerlich zu sein.
„Ponyo“ „Mi Coracon“ und „Toccata“ wollen heute noch dem etwa 20 Seemeilen entfernten Minerva Riff Sued einen Besuch abstatten, bevor sie dann auch morgen von dort aus in Richtung Tonga aufbrechen. „Alchemy II“ geht heute direkt in Richtung Tonga los. Alle wollen jedoch nach Tongatapu zum Einklarieren, und nicht, wie ich, nach Neiafu im Norden der Inselgruppe. Bis dort nach Vava’u ist es von hier mit gut 480 Seemeilen etwas weiter. Aber dort ist es auch wesentlich schoener !

Gestern Abend habe ich mir noch einmal alle Wettermodelle (GFS,ECMWF,PWG und PWE) ueber das Iridium Go heruntergeladen und verglichen.
Fuer uns, die wir Richtung Tonga wollen, macht es danach eigentlich keinerlei Sinn, vor Donnerstagnachmittag, eher sogar erst am Freitag zu starten. Auch dann sind die Winde noch nicht unbedingt ideal, aber zumindest langsam auf achterlich drehend, wenn auch sehr schwach. Womoeglich muss zunaechst ein groesserer Teil der Strecke die Maschine mitlaufen. Etwas, das ich gar nicht mag…
Eine spaetere Abreise als Freitag ist allerdings auch nicht angeraten, da ein neues,grosses Starkwindfeld von Sueden auf Minerva zukommt.

Zum Ende der Reise, im Bereich von Nord-Tonga, werden wir dann allerdings auf einen sehr unangenehmen Schwell von 3,5 bis 4,m Hoehe treffen. Da sind sich leider alle Modelle einig. Ich hoffe, das wird nicht allzu schlimm.
Wenn man denn ueberhaupt vorausplanen kann, dann rechne ich mit einer Ankunft in Neiafu/Vava’u fruehestens Montagabend oder Dienstagfrueh. Ich fuerchte aber, es koennte auch deutlich spaeter werden…

Ich habe gerade „BabyBlue“ klargemacht. Unser Hochseekajak. Da es heute sehr ruhig ist, moechte ich mit Flossen, Brille und Speer doch noch zum Riffguertel vor mir paddeln. Vielleicht finde ich ja etwas Essbares.
Wie auf Bestellung kreisen -das erste Mal, dass ich sie sehe- 3 proppere Haie direkt neben der „Thalassa“. Nicht unbedingt noetig gerade jetzt, aber davon werde ich mich nun auch nicht mehr zurueckhalten lassen…

Noch schnell eine Tasse Capuccino und eine Banane als Fruehstueck, eine Wasserflasche aufs Kajak, und nun will ich mal los… Achja. Vorher noch mit LSF50 eincremen. Nur nicht vergessen ! Wenn das Zeugs nur nicht immer so klebrig waere !!

11:30 Uhr
Zurueck vom Riff… Wie daemlich kann man eigentlich sein ?! Natuerlich habe ich die Batterien der GOPRO kontrolliert, sie an der Taucherbrille montiert und angefangen, schoene Bilder aufzunehmen. Bei der dritten Szene, kurz nachdem mich dieser monstroese, fast 2m lange Barrakuda beim Schnorcheln gelangweilt angrinste, machte die Kamera „piep_piep“, was soviel heissen sollte wie: „Die Speicherkarte ist voll“!

Naja, wir lernen eben gern auf die harte Tour.
Das naechste Mal wird nicht nur die Batterie, sondern auch die Speicherkarte gecheckt !
Also nur ein ganz paar Bilder vom Schnorcheln. Macht ja nichts. Ich hab’s ja gesehen. Leider keine Lobster. Also nichts fuer den Kochtopf. Und jetzt hab‘ ich WIRKLICH Hunger. Schnorcheln macht Appetit. Ich werde mir nun ein zweites Fruehstueck goennen.

Das Wasser ist uebrigens ganz traumhaft. Mit gut 27 Grad wirklich warm und glasklar… Das Schnorcheln mach Superspass !

Ich hab „BabyBlue“ noch nicht aufs Boot zurueckgeholt. Vielleicht gibt’s ja noch eine zweite Tour. Leider liegt Niedrigwasser -der einzige Zeitraum, in dem man relativ gut auf dem Riff spazieren kann- zur Zeit bereits morgens um 08:00 Uhr. Dann ist die Sonne nur noch nicht so hoch, dass es richtig gute Bilder gibt. Und abends dann eben erst wieder gegen 20:00 Uhr– stockfinster.

Jetzt kuemmere ich mich aber erst einmal um das Fruehstueck und dann wird die Speicherkarte freigemacht !

………..

Hmm.
Nun ist es 16:00. In einer guten Stunde faengt es hier an, dunkel zu werden. Dann beginnt in Hamburg die Morgendaemmerung…
Es ist hier heute leider den ganzen Tag ueber bedeckt geblieben, so dass ich nicht noch einmal zum Riff gepaddelt bin. Naechste Chance – Morgen frueh.
Vielleicht ist es dann ja sonnig, damit ich noch ein wenig von der Farbenpracht der Fische und Korallen hier unter Wasser sehen kann…

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