Ein Mann…

Ein Mann…
sitzt vornuebergebeugt in einem kleinen Nachen und rudert weit hinter der Thalassa ueber das weitlaeufige Hafenbecken von Suva, der Hauptstadt der Fiji-Inseln. Es ist gerade mal 07:30 Uhr am Morgen.
Ich hole mein Glas. Nun sehe ich es deutlich. Vielleicht 5m lang ist der Kahn. Alt und aus Holz. Freundlich-hellblau angemalt.. Im hinteren Bereich stapeln sich ein paar Netze auf einem Haufen. Das Boot liegt tief im Wasser. Der Mann ist vielleicht Ende 40, sieht aber deutlich aelter aus. Etwas gedrungen und leicht uebergewichtig mit kurzen schwarzen Haaren. Doch er ist nicht so korpulent wie viele andere Fijis hier in Suva. Er traegt ein altes T-Shirt und ein im Rücken verknotetes blaues Tuch um die Hüften. Er sitzt allein im Boot.
Schwer beugt er sich immer wieder nach vorn, die Riemen ins Wasser tauchend. Man sieht ihm seine Erschoepfung an. Kaum, dass er die Ruder gerade ins Wasser bringt. Sie verdrehen immer wieder, das Rudern erleichternd, aber das Vorankommen des schweren Kahns hindernd… Im Takt: Vor. Zurueck. Vor. Zurueck… Fischer rudern meist auf diese Weise. Sie ziehen die Riemen nicht – sie stossen sie von sich weg. Mir ist das schon haeufiger aufgefallen. Langsam kommt er gegen den Suedostwind und die ablaufende Tide an – in Richtung eines mir unbekannten Ziels.
Von rechts kommt ein anderer, schwarzer alter Holzkahn, etwa gleichgross, aber mit einem kleinen alten Außenborder versehen, ins Blickfeld meines Glases. Das Boetchen ist mit einem dicken Tampen als Stossabweiser rundherum geschuetzt. In ihm sitzt ein junger Mann in blauem T-Shirt und lacht. Der Fischer unterbricht sein Rudern. Sie wechseln einige Worte, die ich auf die Entfernung nicht hoeren kann.

Dann uebernimmt der Junge eine Leine vom Boot des Fischers und verknotet sie an seinem Kahn.
Die Erleichterung des aelteren Mannes ist selbst hier an Bord foemlich spuerbar !
Er rutscht auf seinem Sitzbrett etwas nach hinten und richtet seinen Ruecken gerade.

Dann, nach einer kurzen Weile, kramt er eine alte, etwas dickbauchige Plastikflasche hervor, schraubt sie auf und entnimmt dem wasserdichten Behaeltnis etwas, das er sich in den Mund schiebt. Schaut nach vorn und geniesst kauend, tief durchatmend sein Fruehstueck, waehrend er langsam ueber das Hafenbecken irgendwohin geschleppt wird.

Fast schaemt man sich, hier zu sein.
Ich liege hier -hoffentlich sicher- vor Anker auf einer in seinen Augen sicher „SUPER“Yacht im selben Hafenbecken, mit kleineren Sorgen, die nicht vergleichbar sind mit dem harten Los dieses Mannes.

Reisen soll ja bilden.
Und die Seele veredeln.
Man muss dazu wohl aber auch gut hinsehen.

Die gestrige Warnung eines vor mir ankernden Yachties, unbedingt abends das Beiboot an Deck zu holen und auch nachts das Boot gut zu verschliessen, da es hier im Hafen dieser „Gross-Stadt“ viele Diebstaehle und eine erhoehte Kriminalitaet gibt, relativieren sich.

„…Keinen Wohlstand bei einem Spaziergang durch die Stadt zeigen. Vorsichtig sein…!“

Ja. Die Konzentration von so vielen Menschen auf engem Raum einer Stadt bringt, wie ueberall, Probleme mit sich. Drogen haben auch hier ihren Weg zum Elend der Menschen gefunden, die oft mit teils grossen Hoffnungen dem einfachen Leben ihrer Doerfer entflohen, um es gegen das moderne, neuzeitliche vermeintlich bessere Leben der Stadt zu tauschen. Dass damit viele ueberfordert sind, ist doch klar…
Und Suva ist mit seinen samt Umgebung fast 200.000 Bewohnern eine Riesenstadt!!

In dem Moment, in dem ich dies schreibe, kommt das Boot vom Royal Suva Yacht Club laengsseits und sagt, sie haetten noch einmal geschaut und doch wohl einen Platz in der Marina fuer mich frei. Ich solle doch mal schauen, ob er mir gefaellt. Jetzt sei gerade Hochwasser und daher koenne ich jetzt in die Marina fahren. Eigentlich sollte fruehestens Montag ein Platz frei sein. (heute ist Donnerstag)
Soviel zum Thema Freundlichkeit hier am anderen Ende der Welt. Niemand haette das erwarten koennen.
Die Jungs helfen mir zu viert beim Anlegen in der engen, flachen Marina. EINFACH TOLL !

Ich mache fest auf der Ostseite der Marina an einer Bugmuring mit dem Heck zu einem kleinen Steg – vor irgendeinem alten Fabrikgebaeude, das durch einen Zaun vom Marinagelaende getrennt ist. Der kleine Weg, der von dort zum Clubgebaeude fuehrt, ist vielleicht 40 Zentimeter breit und reichlich matschig. Aber ich werde den Teufel tun und mich beklagen ! Ich liege hier herrlich !!

Gleich werde ich in die Stadt gehen und lokales Geld -Fiji-Dollar- besorgen.
Danach alle Behoerden bezahlen (hier ist das Einklarieren mit gut 400 Dollar recht teuer!) und eventuell noch einige Erledigungen in der Stadt machen, wenn die Zeit reicht. SIM-Card etc…

Danach zurueck in den Yachtclub und Mitglied werden. Dies ist Voraussetzung, um die Facilities der Marina einschliesslich Dinghy-Dock und Duschen nutzen zu duerfen, oder sein Boot in der Marina zu vertaeuen. Ohne Mitgliedschaft ist dafuer eine erhoehte Abgabe zu entrichten.
Auch nicht die Welt, aber ich finde es selbstverstaendlich, hier die Mitgliedschaft zu beantragen…

Royal Suva Yacht Club
PO Box 335, Club House, Korovou, Suva, Fiji
T.:+679 331 2921
VHF Ch. 16
http://www.rsyc.org.fjrsyc@kidanet.net.fj

Wie man sieht – Ich bin offensichtlich in Fiji angekommen. Gestern Morgen um 08:00. Nach 3 Tagen und 17 Stunden Fahrt von Tonga.
Spaeter ein wenig mehr dazu.

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