In Suez…

Angekommen.

Die letzten paar Meter vor dem Abzweiger zur Marina des „Suez Yacht and Row Club“

Dort vorn links hinter der Moschee muss ich rein.

Endlich, am Ende dieses unsäglichen Golf von Suez fest in der Marina.

Ich hab‘ mich aber auch angestrengt…!

Schon 2015, beim letzten Mal hier, sah der Club etwas…..

vernachlässigt aus.

Jetzt muss man wohl sagen: Der Lack ist ab.

Na was solls.

Ich liege sicher längsseits dieser betagten Motoryacht.

Schaut. Es geht auch schöner.

Mein Agent, diesmal Capt. Heebi von Princeoftheredsea, war schon da.

Als er sah, dass ich in den nächsten Tagen Geburtstag habe, brachte er mir doch tatsächlich schonmal vorab eine Torte an Bord!

Na die wird mir bei meinem Diätprogramm der vergangenen Tage sicher ordentlich auf den Magen schlagen! 🙂

Aber ich freue mich natürlich!

Die Vermesser sind auch schon an Bord gewesen und haben ordentlich hin- und hergemessen. Die Tonnage, die von der ersten Passage 2000 noch in den Büchern der Kanalverwaltung steht, schien mir mit 49 tns. doch etwas hoch.

Die Triton war 2015 mit 24 tns. berechnet worden.

Na hoffentlich schieß ich mir mit der Neuvermesung der Thalassa nun nicht selbst ins Bein. Morgen vormittag gegen 11:00 sollte ich mehr wissen. Da bekomme ich die Tonnage, nach der die Rate für die Kanal Passage dann berechnet wird, mitgeteilt…

Nachtfahrt nach Suez

Morgens, 03:23 Uhr…

Der Vollmond macht die Nacht zum Tag.

Spiegelglatt liegt das letzte Stück des Golf von Suez vor uns.

Mit kleinster Fahrt bewegen wir uns durch die Nacht, um dieses seltene Wetterfenster auszunutzen, aber auch nicht vor Tagesanbruch anzukommen.

Wichtig ist nur, vor 13:00 an Marina zu sein, die bereits im Anfangsbereich des Kanals liegt. da die Konvois der Groß-Schiffahrt um 14:00 starten, ist eine Einfahrt in den Kanal ab dann nicht mehr erlaubt.

Die Lichter von Suez voraus.

„Kreuzfahrt ins Glück“ – Abu Mieish

Von Ras Gharib aus geht es weiter nach Norden.

Dieser hässliche, rotgelbe Fleck dort auf meinem Weg sind leider tatsächliche Windstärken bis zu 8 Bft.

Liegt mitten im Weg. Da müssen wir durch. Watt mutt, dat mutt…

Der Wetterbericht verspricht nur noch mehr zunehmende Winde in diesem Bereich.

Am späten Nachmittag entscheide ich, ankerauf zu gehen.

Ohne Steuerbordmaschine, aber mit 3 Reffs im Großsegel und zweien in der Genua geht’s los!

Naja.

Irgendwie kämpfen wir uns durch die Nacht und sind nach 108 Seemeilen erschöpft und müde morgens um 10:00 am nächsten Ankerplatz.

Diesmal auf der Sinai-Halbinsel!

Der Ort heißt : Ras Matarma und Damaran Abu Mieish.

Wieder wolkenlos, wieder 30 Grad warmes Wasser.

Aber ich muss nun wirklich erst einmal ins Bett…

An Land darf ich eh nicht mehr, da in meinem Pass bereits der Ausreisestempel ist, und ich offiziell aus Ägypten ausgecheckt bin.

Ras Gharib – Golf von Suez

Vorgestern – Samstagmittag, 29.8. – habe ich in Endeavour Harbour den Anker gelichtet. Ziel war ja eigentlich At Tur auf der Sinai-Halbinsel. Ca. 45 Seemeilen.

Unterwegs entschloss ich mich gegen 17:00, weiter in Richtung Abu Thelemet zu fahren. Ca. 90 Seemeilen weiter. Ich würde dort etwa am nächsten Abend ankommen.

Es kam jedoch anders.

Nachts nahm der Wind dann unerwartet auf Sturmstärke zu. Immer genau von vorn natürlich.

Bislang lief ich mit beiden Motoren etwa 3,5 bis 3,8 Knoten.

Plötzlich zeigte die Logge nur noch 1,9 bis 2,4 Knoten an!

Mir fiel auf, dass wir an der Steuerbordseite kein Schraubenwasser mehr hatten.

Da war irgendwas passiert!

Evtl. hatten wir (nur) den Propeller verloren?! Das wäre – in meinen Augen – noch das angenehmste. Da hätte ich Ersatz an Bord und könnte ihn vor Anker erneuern.

Bei genauerer Überlegung musste ich das allerdings leider ausschließen. Blieb noch ein Bruch des Propellerschafts. Oder ein defekter Saildrive.

Bei diesen Bedingungen aber erstmal unmöglich zu überprüfen.

Ich setzte die Genua und begann, gegenan zu kreuzen.

Gegen 05:00 Uhr morgens war ich erstens todmüde, und zweitens 8 Seemeilen östlich eines Ankerplatzes.

Ich entschloss mich, diesen anzulaufen. Ich musste mich unbedingt hinlegen… Es wehte immer noch mit 20m/sec., ca 40 Knoten.

Gegen 07:00 ließ ich dann halbwegs geschützt, vor Ras Gharib den Anker fallen…

Eigentlich recht schön hier und ein bei den Einheimischen beliebter Strand für die ganze Familie…

Es ist Sonntag, und ordentlich was los…

Tja. Bleibt die Sache mit dem Motor.

Der Rest ist nur noch für Techniker…!

Susann sagt :

ZUVIEL TECHNIK! 🙂 laaaangweilig. Gääähn…….

Volvo Penta Teil-Nr. 872809 (Schwingungsdämpfer)… :

Bereits morgens um 7:00 war ich im Wasser – der Propeller war erwartungsgemäß noch da – Ich zerlegte den halben Saildrive und prüfte alles auf Funktion.

Das war es nicht.

Der Saildrive wurde einfach nicht mehr vom Motor angetrieben.

Das ist mein Motor:

(im Vordergrund das Hellgraue ist der Saildrive)

So sieht der Verbindungszapfen zwischen beiden aus:

Entweder ist der defekt, oder das Gegenstück im Motor.

Das ist hier Teil 33 :

Das ist die sogenannte Dämpfungsplatte.

Eigentlich nur eine, aus zwei, mit kräftigem Gummi zusammengehalten Teilen bestehende Scheibe, welche die Kräfte beim Einlegen des Gangs abfedern soll.

Normalerweise sieht die so aus… :

Dort greift der Zapfen des Saildrives rein und das ganze dreht sich…

Meine Dämpfungsplatte sieht wahrscheinlich so aus :

Die Ringe haben sich voneinander gelöst und das eine Teil dreht sich auf der Kurbelwelle, nimmt den Saildrive aber nicht mehr mit.

Dafür spricht, daß der Motor beim Lauf leicht nach verbranntem Gummi riecht und dort auch etwas qualmt.

Leider teuer. Sehr…

(Volvo Penta Teil Nr. 872809 Was daran nun so viele Hunderte Euro kostet, bleibt mir ein Rätsel…)

Ausserdem mitten im Motor.

D.h.: Saildrive lösen, den Motor 20cm nach vorn ziehen (230 kg!) und dann das (hoffentlich) defekte Teil ausbauen und erneuern.

Der spassigste Teil kommt danach jedoch noch. Der Motor muss irgendwie wieder zurückgeschoben werden, wobei der Zapfen dabei genau das Loch treffen muss…

Na viel Spaß!!

Auch ein Grund, warum ich das momentan nur theoretisch weiß. Eine echte Überprüfung ist einfach zu aufwendig. Dann lieber auf Verdacht loslegen… Aber mit vorhandenem Ersatzteil!

Das Teil habe ich jedenfalls schonmal nach Hamburg bestellt.

Vor der Ankunft in der Türkei habe ich allerdings keinerlei Gelegenheit, die Reparatur durchführen zu können.

Na mal sehen, wie ich dorthin komme.

Besonders der Suez Kanal macht mir große Sorgen…

Mal abgesehen vom Manövrieren und Anlegen mit einem asynchron laufendem Motor in der Suez-Marina, Ismailia und Port Said…

Endeavour Harbour

Nachdem ich ja gestern so glücklich die Maschine repariert hatte, gönnte ich mir eine eiskalte Cola und wollte mich eigentlich ein wenig ausruhen…

Als jedoch der Wind zum Nachmittag hin immer weiter abnahm und dann mit nur noch guten 3 Windstärken aus Nordwesten wehte, entschloss ich mich, noch aufzubrechen.

Um 15:30 Uhr holte ich die Ankerkette ein und verließ die Bay of Makhadiq Richtung Nord.

Bis nördlich von Hurghada war es eine gemütliche Fahrt unter Maschine. Ab da nahm der Wind leider wieder etwas zu. Dennoch war es immer noch wesentlich besser, als die (kurze) Bolzerei am Morgen.

Gegen 23:00 schlich ich mich im dunkeln gaaanz langsam vorsichtig in die etwas trickreiche Ankerbucht von Endeavour.

Nun liegen wir hier sicher vor Anker. Die Anemos ebenso. Sie war ja gestern morgen schon weitergeknüppelt, als ich das Malheur mit der Maschine hatte.

Auf dieser bislang verlassenen, einsamen Insel sind momentan irgendwelche Bauarbeiten im Gange… Es sieht so aus, als soll die Insel auch für den Tourismus erschlossen werden.

Für heute ist der Plan, falls der Wind nachlässt, über die Anchorage „Bluff Point“ (als Plan „B“) in Richtung At Tor auf der Sinai-Halbinsel weiterzugehen… Das sind ca. 45 Seemeilen.

Mal schauen.

… irgendwas ist ja immer.

Heute morgen wollten wir eigentlich aufbrechen Richtung El Gouna.

Es wehte zwar noch recht heftig, aber um 9:00 Uhr wurde der Anker gelichtet.

Um 9:30 schwankte die Drehzahl an der Backbordmaschine und sie starb fast ab.

Ich krabbelte in den Maschinenraum, entlüftete die Dieselleitung und beim Festziehen der Entlüftungsschraube tat sich ein breiter Riss im Gewindegang auf. Die Halterung war an der Stelle gebrochen. Ein dicker Strahl Diesel spritzte nun aus diesem Riss.

Ich ging wieder nach oben und schaltete die Maschine ab. Da ich erst knapp zwei Meilen vom Ankerplatz entfernt war, entschied ich mich, umzukehren und mir dort Gedanken über das Problem zu machen…

Nachdem die Diesel Zufuhr abgesperrt war, baute ich das defekte Teil aus. Ein Ersatzteil ist nicht an Bord! – Und ganz sicher hier auch nicht auf die Schnelle zu bekommen…

Man sieht deutlich den Riss.

Ich entscheide mich, Das Gewinde um den gebrochenen Teil zu kürzen.

Danach muss ich zur Abdichtung eine plane Oberfläche feilen.

Bis jetzt scheint mein Plan ja aufzugehen…

Völlig geschlossene Oberfläche.

Die Entlüftungsschraube vorsichtig wieder eindrehen

Von der Länge her geht es so gerade…

Fertig!

Was sich so fluffig anhört, hat mir echt Sorgen gemacht. Echt!! Dieser kleine Riss im Gewinde bedeutete eigentlich einen Totalausfall der Backbordmaschine für die nächsten 2000km…

Puh. Glück gehabt…

Jetzt ist es 14:00 Uhr.

Langsam lässt der Wind auch hier am Ankerplatz nach. Doch evtl. bleibe ich noch bis morgen.

So ist das mit den Plänen beim Segeln. 🙂

Marsa Abu Makhadiq

Um 12:00 meinten Hugh und Priscilla von der „Anemos“, der Wind ließe nach und wir sollten aufbrechen, 16 Seemeilen weiter in die Marsa Makhadiq. Von nachlassendem Wind hatte ich allerdings nix bemerkt, und so bolzten wir bei satten 6 Bft von vorn nach Norden. 4 Stunden später war das nächste Ziel dann erreicht, und wir lagen wieder vor Anker. Nun hatte der Wind auch tatsächlich endlich nachgelassen! Tja… Geduld…!!

Da die See mittlerweile wirklich ruhig war, kletterte ich auf unseren Mast, um das defekte Dampferlicht zu reparieren.Priscilla schoss davon einen schönen Schnappschuss :

Ein seltenes Bild vom eigenen Boot – mit Mann im Mast…Unser Track von heute :

Robinson Soma Bay

Gunnar ankert nun direkt vor dem Robinson Club Soma Bay!
Nach einer Nachtfahrt von 92 Seemeilen ist er hier gestern morgen um 8:30 Uhr angekommen.


Fast ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass wir uns hier im Club getroffen hatten, und dann einige der letzten Gäste waren, die wegen Corona den Club verliessen.

Inzwischen hatten wir zu Hause wieder viel Zeit, neue Pläne zu schmieden (darin sind wir ja Spitzenreiter) und uns, trotz Corona, die Stimmung nicht verderben zu lassen.
Im Oktober werden wir uns nun in der Türkei treffen und Lottas Herbstferien dazu nutzen, die türkische Ägäis ordentlich zu besegeln. Die Thalassa wird den Winter danach ohne uns an der türkischen Riviera verbringen.  
Dafür aber starten wir im nächsten Jahr noch einmal so richtig durch!
Wir werden uns für die ARC Plus im November 2021 anmelden und gemeinsam über den Atlantik in die Karibik segeln…

Lotta hat ein Sabbat-Jahr beantragt😊 

Hier findet Ihr die aktuelle Position von Gunnar:  
https://maps.findmespot.com/Track                                                                                      

Porto Ghalib – Ägypten

Reisen in Zeiten von Corona… Eigentlich nur etwas für die Technik-Interessierten…

Es geht los nach Ägypten. Seit Anfang März liegt die Thalassa nun in der Marina von Port Ghalib.

Wegen des Lockdowns war es nicht möglich, eher zum Boot zurück zu fahren.

Was erwartet mich dort..?!

… über Istanbul geht es nach Ägypten, wo ich nachts um halb eins ankomme. Mein bestellter Transfer von Hurghada nach Porto Ghalib erscheint natürlich nicht, und so muss ich mir schließlich eine Taxe für die 230km durch die Wüste zum Boot nehmen.

Morgens um 05:00 komme ich an der Thalassa an.

Der Wüstenwind und – Sand haben in knapp 5 Monaten ganze Arbeit geleistet…

Aber es geht ja eigentlich um andere Dinge!

Bei der Reparatur des Genuafalls im März hatte ich gesehen, dass 4 (!!) von 19 Litzen des Vorstagdrahts oben am Mast gebrochen waren.

Das Vorstag musste also dringend erneuert werden, bevor es wieder losgehen kann.

Nachdem ich erst einmal eine Grundreinigung des Bootes vorgenommen hatte, konnte ich mich nun ums Vorstag kümmern.

Das Segel muss weg!

Danach löse ich alle Wanten maximal und baue mir ein Hilfsvorstag aus dem Genuafall, mit dem ich den Mast so weit wie möglich nach vorn ziehe, um die Spannung aus der Rollanlage zu nehmen. Schließlich müssen die Bolzen oben am Mast und unten am Bug entfernt werden.

Die schwarze Titan-Inbusschraube dort wird noch eine tragische Rolle spielen…

Sie hält Toggle und Vorstag fest im Fußteil der Rollanlage und muss gelöst werden, um den alten Vorstagsdraht ausbauen zu können.

Die Bolzen sind entfernt und die ganze Rollanlage wird (irgendwie) an Land gewuppt…

Das muss irgendwie raus!!

Will es aber partout nicht. Also entschließe ich mich, professionelle Hilfe von der 120km entfernten Bootswerft in Safaga kommen zu lassen…

…es gelingt den beiden Jungs jedoch auch nicht, die Schrauben zu lösen.

Sie verbrennen bei dem Versuch jedoch nebenbei kurzerhand den eingebauten Simmerring, der die unteren Kugellager schützt.. ! Aua aua aauaaaa!!!

Woher jetzt wissen, welche Größe dieser Ring einmal hatte. Ausmessen kann man dort innen leider nicht wirklich. Und rein muss er unbedingt wieder!

Die Schrauben werden übrigens letztlich doch brutal weggeflext. – Na DAS hätte ich auch noch selbst hinbekommen!

Woher jetzt die Teile bekommen???

Gottseidank hilft mir der Service von Wichard/France kulanterweise, bei denen ich die Größe des Simmerrings erfrage…

Und – oh Wunder, ich bekomme irgendwo im Nirgendwo einen (fast) passgenauen Simmerring.

Es kann also wirklich weitergehen…

Inzwischen sind die Bolzen und Muttern auch nachgebaut – nur leider danach verkehrt herum verpresst und angeschweisst worden!!

Es ist zum Haareraufen !!

Aber ich kann mit dem Vorstag inzwischen weitermachen:

Kabeleinzugshilfe in die Rollanlage einfädeln. Mit dem Draht verbinden, neues Vorstag durchziehen.

Ausmessen.

Noch einmal ausmessen.

Noch einmal ausmessen…….!!

Neues Vorstag auf die korrekte Länge abschneiden.

(PUH!!)….

Aufdröseln, Konus mit entsprechendem Abstand (18mm) rauf, alles gut fetten und dann zusammenbauen.

FETTICH!

War doch ein Klacks!

Nun das ganze wieder zurück!

Dies tonnenschwere, 19 Meter lange Geschütz irgendwie wieder an Bord…

Danach mit Hilfe des Spifalls alles wieder aufrichten und (in wochenlanger Feinarbeit) die Toggles oben und unten wieder einfädeln und mit den Bolzen sichern… (dabei mindestens gefühlte 20mal den Mast hoch- und runter klettern und die Lage minimal verändern…), Wanten spannen und sichern, Genua wieder setzen…

Sieht ja eigentlich nicht anders aus, als 10 Tage zuvor….

Wofür macht man das bloß alles?!!

Na, ich weiss das schon ganz genau ! 🙂

……

Jetzt kann der Checkout für die Suez Kanal-Passage beantragt werden…

Es geht weiter!

Kreuzkurs nach Nord…

Von Ulligam auf den Malediven nach Port Ghalib in Ägypten.
Glücklicherweise gab es im Roten Meer ab dem Sudan einen relativ windstillen Zeitraum, in dem wir auf direktem Kurs nach Norden vorwärts kommen konnten. (Allerdings unter Motor)

Ulligam_nach_PortGhalib